XENIA BELIAYEVA

"A taste of chocolate from all sides on my lips …" ["Chocolate", Various Punks Volume A]

Damit wir uns nicht missverstehen: Xenia Beliayeva ist weder als Produzentin noch als DJ eine leicht zu genießende Süßspeise. Ihre Ausgestaltung elektronischer Musik gebiert fordernde Geschöpfe der Nacht, die das Geräusch als zentrales stilistisches Mittel bejahen und doch dem Ganzen, nicht zuletzt mit dem Einsatz ihrer Stimme, immer wieder ein sinnliches Element entgegen setzen. Eben nicht nur "Ultra Glamour", sondern auch "Hellraiser", um in ihren Songtiteln zu sprechen. Aber erst einmal der Reihe nach.Die Mittzwanzigerin stammt ursprünglich aus Moskau, ihr Lebensweg ist spätestens seit Mitte der Neunziger Jahre untrennbar mit ihrer tiefsten Leidenschaft verbunden: Musik. Ob nun im Rahmen eines Volontariats für VIVA TV oder eines Gelegenheitsjobs in einem CD-Verleih in Köln, als freiberufliche Promoterin für renommierte Labels wie Playhouse, Klang Elektronik und Mute, im Rahmen ihres Labelmanagements für Lone Records sowie als langjährige Produktmanagerin für Ladomat brachte sie ihr Schicksal immer wieder mit dem Musikbusiness in Verbindung.

Insofern war es nicht mehr als folgerichtig, dass Beliayeva im Laufe der Jahre auch ihre persönliche musikalische Sprache fand. Seit Mitte der Neunziger zunächst vor allem im künstlerischen Bereich auf Vernissagen oder ähnliches als DJ unterwegs, legte sie 1997 bereits mit Laurent Garnier als Opener für Kraftwerk und zur Eröffnung des Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe auf. Eine kontinuierliche Präsenz als Club-DJ baute sie dann ab dem Jahr 2000 vor allem in ihrer neuen Heimatstadt Hamburg auf. Insbesondere ihre zwischenzeitliche Resident-Veranstaltung "Kill them all" im Hamburger Gum Club oder ihre Auftritte im Waagenbau verschafften Xenia den Ruf als einer der heißesten DJ-Geheimtipps der Hansestadt. Inzwischen hat Xenia einen zunehmend internationalen Aktionsradius, und so hört man sie häufiger in Club-Venues zwischen Frankreich, Spanien, Holland, Ukraine und Brasilien oder im Rahmen ihrer Internet-Radioshows xenbel auf samurai.fm.

Das besondere Erfolgsrezept von Xenia Beliayeva ist ihre ureigene Mischung aus Konzert-Event und Deejaying, das ihre DJ-Sets zu einem einzigartigen Ereignis macht. "Ich habe schon immer gesungen, und seit ca. vier Jahren baue ich meine Vocals als zentrales Element in mein Deejaying ein. Natürlich sehe ich mich in erster Linie als DJ für elektronische Musik, oder Techno, um es konkreter zu benennen, aber ich möchte mich nicht auf diese Rolle reduzieren lassen. Ich habe keine Angst vor Innovation, Experimenten und dem bewussten Bruch von Erwartungshaltungen. Insofern kann es auch mal sein, dass ich mitten in einem technolastigen Set eine Platte von Ministry einbaue."

Auch Beliayevas musikalische Ästhetik als Produzentin setzt auf die Wirkung ihrer unvergleichlichen Stimme. Neben Produktionen mit André Winter und dem französischen Elektro-Produzent Arnaud Caschera (als gemeinsames Projekt Da Fresh & Xenia Beliayeva für das Plantage 13- Label Dance Electric) machte sie insbesondere mit ihren Maxis für Anthony Rothers Vorzeigelabel Datapunk von sich reden. Tracks wie "Ultra Glamour", "Chocolate", "Nanotubes", "Hellraiser" und "Wedding & Funeral" sowie ihre Neu-Interpretation des Rother-Klassikers "Don´t Worry" machen aus Beliayeva eine der wichtigsten Botschafterin des neuen Labelsounds: So kraftvoll wie energiegeladen, flirtet Beliayeva mit industriellem Noise und bleibt trotz allem voller Emotion. Kein Wunder, dass inzwischen auch langjährige Kultfiguren der elektronischen Musik wie Nitzer Ebb-Sänger Douglas McCarthy für die aktuelle Single des Projektes Fixmer/McCarthy auf Beliayevas Remixing- Skills zurückgreifen. Momentan arbeitet Beliayeva mit Hochdruck an ihrem ersten Künstleralbum.